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"Ich habe das Bild auf dem Umschlag gemalt, für meinen Sohn, dem gefiel es." [a]

Haussmann-Foto
"Das Foto wurde vor 25 Jahren in Florida aufgenommen. Das war meine damalige Freundin, und ich finde es sehr schön, auch weil es ein wenig unscharf ist." [b]
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L e b e n s d a t e n 1 9 8 9 - 1 9 9 7
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1989
1990
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Villa Massimo-Stipendium (verliehen 1987)
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1989
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Die verdammte Marie; Schauspiel

Kirchzarten, Höfener Str. 24 Fotos: ©Schubert
Frau Reinhard, die Besitzerin

Das Fenster zum Kinderzimmer
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"Aber sie war in neuer Zeit Grundschullehrerin, und sie war meine Mutter, und ich konnte sie nur bedauern, anstatt sie zu lieben oder zu hassen, oder fast nur bedauern, denn als wir noch alle auf dem Dorf gewohnt hatten, in der Höfener vierundzwanzig, vor dem Umzug nach Frankfurt - zum Adorno, wie Kristian immer gesagt haben soll, oder In die Wiesenau, wo wir zuerst gewohnt hatten, In die Wiesenau, um mir Hoffnung zu machen, daß es auch in Frankfurt irgendwo Molche und Loipen gäbe -, war manchmal noch etwas anderes bei Kathi aufgeblitzt, das mein Vater wohl, irrtümlich, für das Ganze gehalten hatte, für seine blutjunge rebellische Frau, die schon als Kind im Kartoffelkeller Salut le copain hörte, den französischen Soldatensender, Paul Anka und Johnny Halliday, das hatte sie sich offenbar reingezogen, meine Mutter, und dazu getanzt und gesungen, daß man es bis nebenan, zu Ganters und Steierts, gehört haben muß, Wahnsinn."
(Parlando, Seite 237)
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1990
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Infanta; Roman
"Die Entstehung meines Romans 'Infanta' war abenteuerlicher als es der Inhalt des Buches ist. Fast täglich habe ich dagegen angekämpft, meine Arbeit zur Geschichte zu machen; der Phantasie folgen und sorgfältig schreiben hieß mein Gebot." [5]

"Ich hatte aufgrund meiner früheren Arbeiten ein Gespür für das Erzählen, mußte aber in der handwerklichen Umsetzung wieder bei Null anfangen. Trotz aller Anstrengungen war das eine wunderbare Erfahrung. Nicht ohne Grund habe ich das Erzählen im Roman selbst thematisiert. Die Entstehungsgeschichte ist ein Roman im Roman." [6]

"Ich bin das Risiko der Rührung an einigen Stellen des Buches eingegangen, etwa bei der ersten Liebesnacht oder der Sterbeszene. Ich wollte gegen die Fernseh-Liebe und den Fernseh-Tod Liebe und Sterben neu erfinden, diese existentiellen Erfahrungen bis an den äußersten Rand treiben, wo das Klischee beginnt. Nur so bleibt die Hoffnung, daß es Sprache hierfür noch geben kann." [7]
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1991
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Reisen in die USA und nach Nordafrika
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1992
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Tod des Vaters
"Ich habe jetzt dieses wundervolle Buch von Philip Roth über den Tod seines Vaters gelesen: 'Mein Leben als Sohn'. Mein Vater ist vor einem Monat gestorben - und das Buch hat mir dieses Ereignis teilweise nähergebracht als mein eigenes Erleben. Das ist etwas, was nur Literatur kann." [11]
Der Sandmann; Roman
"In den Rezensionen zu meinem jüngsten Roman 'Der Sandmann' hat man wieder versucht, Parallelen zu literarischen oder theoretischen Vorbildern nachzuweisen. Mein Buch soll, so werde ich belehrt, eine Art literarischer Kommentar zu einer gleichnamigen Erzählung von E.T.A. Hoffmann sein und zu einem Aufsatz von Sigmund Freud über diese Erzählung. Natürlich es es das Recht der Kritiker, gebildeter zu sein als die Autoren. Aber ein Autor, wie ich ihn vestehe, ist nicht klüger als sein Buch, im Gegenteil." [10]

Melrose - Foto: ©Schubert
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"Die Resonanz auf Der Sandmann war für mich am Anfang schwer faßbar. Ich war neuen Wochen mit dem Buch auf Lesereise. Nach einer solchen Tortur kennt man sein Buch, dann kennt man auch die Schwächen. Natürlich habe ich Fehler gemacht, wer macht keine Fehler; und unter Umständen gehören Fehler genauso zu einem Buch wie die herausragend guten Stellen. Vielleicht würde ich das eine oder andere heute streichen; vielleicht kam das Buch auch zu groß, zu einladend daher."
(Neue Rundschau. 1993. H. 3. S. 69-81) |
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1993
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Geburt der Tochter Sophia
"Mädchenleis Dein erstes Klagen
Wagte nicht, Dich anzuheben
Nur einen Kuß erbat ich dann
Aus Deiner Augen Ferne kam
Werd lang Dich überleben.
Helles Da! Dein erstes Sagen
Sieh da, die Welt im Lot
Und wieder bat ich um den Kuß
Du schüttelst nur das Häuptchen
So lustig buchstabierst Du Tod."
[13]
"Es ist nicht nur das Vater-, es ist auch das Älterwerden. Die Themen sind dann etwas anders. Aber es ist auch nicht so, daß ich jetzt Kinderbücher schreiben würde. Sind also leichte Verschiebungen, daß die Helden, die Protagonisten der Bücher in der Regel auch ein Kind haben, mindestens, daß die diese Erfahrung auch haben. Die sind ja meistens immer ein bißchen weiter als ich selber in ihrem Lebensabschnitt, weil ich das so ein Stück von meinem Leben extrapoliere, wie das weitergehen könnte." [12]
Gegen die Laufrichtung; Novelle
Reisen nach Australien und Somalia
"Im Frühsommer 93 flog ich nach Somalia; ich erhoffte mir davon einen ähnlichen Anschub wie von meiner ersten Reise auf die vom Bürgerkrieg erschütterte Insel Mindanao. Resultat war jedoch nur ein Tagebuch sowie (...) ein Leistenbruch zum richtigen Zeitpunkt." [1]
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1994
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Herrenmenschlichkeit; ein Tagebuch
Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf; Monolog
Ein Monodrama, "das ich 1993, angeregt durch eine erotische Indifferenz in der Bar des berühmten, aber eben nicht berüchtigten Frankfurter Tiger-Palastes, schrieb." [2]
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1995
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Legenden um den eigenen Körper; Frankfurter Poetik-Vorlesungen
"Diese Vorlesung zum Beispiel, die ich (...) gemacht habe, die war, glaube ich, ein sehr großer Erfolg hier an der Uni. Ich hatte immer 800 Leute, das war rammelvoll, fünf Mal. Aber es gab darauf keine Reaktion in der Presse." [9]

Tengelmann, Schweizer Platz
Foto: ©Schubert

Schuhkartonbau am Schweizer Platz
Foto: ©Schubert
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"Der Lebensmittelladen am Schweizer Platz – heute Tengelmann, damals Schade & Füllgrabe – lag und liegt in einem Flachbau aus den früher Siebzigern, dreigeschossig, weiß, ein Schuhkarton, und verdankt seine Lage vermutlich einer amerikanischen Fliegerbombe, verweht oder irrtümlich abgeworfen, da die Gegend um Branzgers vier Ecken kein Ziel war; und doch hat ihr Einschlag den Platz bis heute zerstört, so wie ein Mensch für immer zerstört ist, wenn er zu früh ins Mark getroffen wird – dieses Wort verfolgte mich jetzt. Nach Beseitigung aller Trümmer und juristischen Hindernisse konnte jedenfalls der Schuhkartonbau entstehen, vor der Nase nur den Zeitungskäfig, wie ihn der Doktor genannt hat, und einen Wohnwagen mit türkischem Fraß, der am Abend verschwindet, was man von allem übrigen leider nicht sagen konnte und kann. Der Laden selbst hat die Größe und Form eines Tennisfelds mit vier Kassen am Eingang, gleichsam auf der Grundlinie, und am späteren Vormittag, als ich durch die offene Schwingtür kam, sogar alle besetzt. Hinter den Kassen dann gleich die Waren, verteilt auf fünf Quergänge – meinem Gefühl nach fünf, ich habe sie nie gezählt -, und zwei Gängen an den Seiten, rechts die Getränke und Kühlwaren, links die Milchprodukte, vor der rückwärtigen Wand schließlich Fleisch und Käsetheke; soviel zum Ambiente meines Einkaufs an diesem verdammt schönen Tag (der für mich auch immer mit dem Wort Mark verknüpft sein wird).
(Wo das Meer beginnt, Seite 263/264)
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1996
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Mach nicht den Tag zur Nacht; Drama in zwei Akten
Ein "Freund enthüllte*, daß die rätselhafte, angeblich in einer Londoner Nervenklinik einsitzende Autorin Odette Haussmann, deren Debütstück »Mach nicht den Tag zur Nacht« für die Autorentheatertage in Hannover ausgewählt worden war, ein Pseudonym von Kirchhoff ist."
[3]
"Ich wollte, daß Odette Haussmann ohne Heimvorteil angenommen wird, und deshalb habe ich das Stück über einen französischen Verlag eingereicht, über L'Arche, mit der Bitte, es an den deutschen Verlag weiterzugeben, in dem Kafka publiziert wird, also an S. Fischer. All das war verbunden mit sehr viel Feinarbeit, mit Briefen und kleinen Zeichnungen, die ich an Rudolf Rach, den französischen Verleger, geschickt habe. Für mich handelte es sich nicht um eine Spielerei, sondern ich versenkte mich da richtig rein - das war wie Romanarbeit." [4]

Drehbücher; Aufenthalte in Moskau, Lissabon und Buenos Aires; Vorarbeiten zu dem Romanprojekt »Parlando«
"Reisen macht empfindlich. Früher war das immer so, daß die Reisen mich in so einen Druck gebracht haben, auf mich aufzupassen. Ich habe immer Reiseziele gesucht, wo ich nicht unbedingt in Lebensgefahr geriet, aber immer in einer Situation war, die angespannt war. Manchmal habe ich auch nachträglich gemerkt, daß es zuviel war, und dann habe ich es auch mit der Angst bekommen. (...) Seit ich Kinder habe, gehe ich weniger Risiken ein." [8]
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1997
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Die Weihnachtsfrau
Teilumzug an den Gardasee; TV-Projekte (mit Ulrike Bauer)
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Bodo Kirchhoff: Legenden um den eigenen Körper, Frankfurter Vorlesungen,
Frankfurt am Main, Suhrkamp 1995
[1] Ebd., S. 88; [2] Ebd., S. 97; [13] Ebd., S. 55.
Anke Dürr/Wolfgang Höbel: "Literaten sind Lügner". Gespräch. In: DER SPIEGEL 29/1997.
[3] Ebd. S. 172; [4] Ebd. S. 174.
[5] Bodo Kirchhoff: "Schreiben bis in die Träume hinein". BUCH AKTUELL, 3/90. S. 8.
[6] Zu Besuch bei Bodo Kirchhoff: Abenteuer um Liebe und Tod. BUCH AKTUELL, 2/90. S. 70.
[7] Ebd., S. 71.
[8] Ulricht Struve: "Gespräch mit Bodo Kirchhoff". In: Deutsche Bücher. 1996. H. 1. S. 7.
[9] Ebd., S. 15.
[10] wie [a], S. 72.
[11] wie [a], S. 81.
[12] wie [8], S. 16.
Uwe Wittstock: "Der Autor hat nur eine Chance: Er muß den Kritiker überleben. Gespräch über die Brauchbarkeit von Literatur und über Kopfgeldjägerei sowie das katastrophale deutsche Unterhaltungsverständnis". In: Neue Rundschau. 1993. H. 3. S. 69-81.
[a] Ebd., S. 73.
Anke Dürr/Wolfgang Höbel: "Literaten sind Lügner. Gespräch". In: DER SPIEGEL 29/1997.
[b] Ebd., S. 174 (Foto: Bodo Kirchhoff).
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"KIRCHHOFFS ROCKROLLE
Bisher wollte keine Bühne ihr Debütstück "Mach nicht den Tag zur Nacht" aufführen. Nun wurden jedoch Odette Haussmann und ihr klebriger Dialog eines Midlife-Mannes mit der Babysitterin seines Sohnes zu den "Autorentheatertagen" nach Hannover eingeladen.
Die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion am kommenden Sonntag mußte die junge Unbekannte allerdings absagen - sie sei derzeit in psychiatrischer Behandlung in London. Der wahre Grund: Fräulein Haussmann ist der prominente Macho-Literat Bodo Kirchhoff."
FOCUS Nr. 27, 30.06.1997
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