Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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G e s p r ä c h e
Frauke Meyer-Gosau/Jan Bürger: Schreiben ohne Qualen

Schreiben ohne Qualen

LITERATUREN: Herr Kirchhoff, in Besprechungen Ihres "Schundromans" heißt es immer wieder, hier sei Trash zu Kunst geworden. Können Sie damit, bezogen auf Ihre Arbeit, etwas anfangen?

B.K.: Beim "Schundroman" passt das Schlagwort "Trash als Kunst" ganz gut. Dieses Buch hat mir eine Freude am Schreiben bereitet, die ich so eigentlich zum ersten Mal erlebt habe. Und in dieser Freude am Schreiben besteht vielleicht eine gewisse Parallele zu Frau Lind.

HERA LIND: Wer keine Freude am Schreiben hat, der sollte seinen Job wechseln.

B.K.: Nun, da klafft schon ein Abgrund zwischen uns. Das ist für mich ein Ausnahmefall.

LITERATUREN: Was ist für Sie das Normale?

B.K.: Das Normale ist, dass mich eine Arbeit frisst, dass ich ein Buch angehe und glaube, nach ein oder zwei Jahren fertig zu sein. Und plötzlich werden es acht wie bei "Parlando". Es ist eigentlich normal, dass so eine Arbeit auch ökonomisch unüberschaubar wird und dass sie sich letztlich womöglich gegen mich wendet. Nur in einem geringen Maße, in der Detailarbeit, ist man wirklich Herr der Lage. Das Buch beherrscht einen mehr als man selbst das Buch beherrscht. Beim "Schundroman" war das alles anders.

(...)

Frauke Meyer-Gosau/Jan Bürger
in: Literaturen. 2002. H. 10. S. 20-27
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