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Leseprobe
In den Kreisen der lebensfrohen Intelligenz erzählte man sich dieser Tage, daß jetzt im Operncafé häufig ein Mann erscheine, an dessen Seite immer wieder Damen mittleren Alters Platz nähmen und mit unbewegtem Gesicht Erzählungen lauschten, die in so leisem Ton hervorgebracht würden, daß auch vom Nebentisch nichts aufzuschnappen sei; von wenigen gelassenen Bewegungen begleitet, habe dieses sanfte Gemurmel offenbar eine Wirkung, der man sich nur mit Ignoranz entziehen könne.
Wochen vergingen, bevor ich mich mit jener Plötzlichkeit, zu der die zaudernde Erwägung einer Tat führen kann, neben den Flüsterer setzte, wie er inzwischen unter den jungen städtischen Berufsmenschen hieß, deren Bühne das Café war. Ein Wort noch zu diesem Zaudern: Ich bin keine Dame mittleren Alters, ich bin ein Mann Anfang Dreißig. Früher wollte ich Schauspieler werden, heute gehe ich ins Operncafé. Ich erscheine dort in immer neuen Kostümen, oft erkennt man mich kaum. - Mit einer kühnen Frisur, kunstvoll geschminkt, ganz in Seide gekleidet und die Nägel lackiert, nahm ich aus reiner Neugier neben dem Flüsterer Platz, entschlossen, nur den Kopf zu schütteln oder zu nicken.
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Aus: Ferne Frauen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M. 1987.
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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